Copilot Wave 3
- Fabio Bonolo
- vor 9 Minuten
- 4 Min. Lesezeit
Eine tiefere Analyse (Achtung Wortspiel 😉)
Mit Copilot Wave 3 wird Microsoft 365 Copilot noch klarer als „agentisches“ System positioniert: Nicht nur Antworten liefern, sondern in euren M365-Tools echte Schritte über Dateien, E-Mails, Meetings, Chats und Apps hinweg ausführen. Zentral sind dabei drei Ebenen:
1️⃣ Copilot Cowork als neues, stärker ausführendes Erlebnis im Copilot-Chat
2️⃣ Eine neue Chat-zentrierte Copilot-Bedienung direkt in Word, Excel, PowerPoint und Outlook
3️⃣ Der Ausbau von Governance, Security und Lizenzierung rund um Agent 365 und die neue Microsoft 365 E7 Frontier Suite.
In Summe fühlt sich die Copilot Wave 3 für mich wie eine überfällige Korrektur an: Weg von „vielen kleinen Buttons und Inline-Gimmicks“, hin zu einer konsistenten Chat-basierten Copilot-Experience, die dort stattfindet, wo Arbeit passiert und wo ihr es euch aus anderen KI-Tools gewöhnt seid. 🚀
In diesem Artikel stelle ich euch die wichtigsten Elemente kurz vor und gebe euch meine persönliche Einschätzung ab, wie ich die jetzigen Ankündigungen sehe. 👀
Copilot Cowork:
Endlich weniger Medienbrüche
Was ist neu? ✨
Copilot Cowork ist Microsofts Ansatz, Copilot stärker „ausführend“ zu machen: Copilot Cowork ist ein vordefinierter Standard‑Agent im Copilot-Chat und läuft gemäss Ankündigung auf Anthropic‑Modellen. Funktional ist es eine Chat-basierte Orchestrierungsschicht, die mehrstufige Tasks plant und ausführt: Sie sammelt Kontext (z.B. relevante Dateien/Chats/Meetings), stellt Rückfragen, erzeugt Artefakte (z.B. Entwürfe, Zusammenfassungen, Aufgabenlisten) und übergibt die Ergebnisse direkt im Chat-Interface in die jeweiligen M365‑Apps, damit ihr dort weiterarbeiten könnt. Technisch spannend ist weniger der einzelne Prompt, sondern der Task‑/Workflow‑Charakter mit Zwischenschritten, Status und Übergaben. 🫱🏼🫲🏼

Meine Einschätzung 💬
Ehrlich gesagt: genau diese Experience hätten wir uns von Anfang an gewünscht. Inline-Features direkt im Chat, die euch nahtlos in die Applikationen bringen, statt euch in eine „Chat-vs.-App“-Entscheidung zu zwingen. Ich bin extrem gespannt auf das Frontier-Rollout Ende März, vor allem auf alles, was Richtung Corporate Design geht. Dort „kränkelt“ Copilot heute in der Praxis noch häufig: Vorlagen- und Brand-Compliance ist in Kundenprojekten oft der Moment, wo Enthusiasmus auf Realität trifft. 🎨
Der Haken (Stand heute) ⚠️
Cowork ist – so wie es kommuniziert wurde – ein Standard-Agent, der auf Anthropic-Modellen basiert. Für viele Organisationen in der EU und der Schweiz ist das aktuell ein Compliance-No-Go. Das kann die Einführung ausbremsen, selbst wenn der Nutzen offensichtlich ist. Für mich ist das deshalb ein „Wow“-Feature mit einem sehr realen „Ja, aber…“. ⚖️
Copilot in Word, Excel, PowerPoint und Outlook:
Chat-first, App-native
Was ist neu? ✨
Microsoft bringt Copilot in den Kern-Apps noch stärker als Chat-Experience direkt in die Anwendung, ohne dass ihr euch durch verstreute (und immer anders aussehenden) Inline-Symbole „durchklicken“ müsst. Ihr arbeitet in einem seitlichen Copilot-Bereich mit Prompts, die direkt Dokumentobjekte beeinflussen (Text erzeugen/umschreiben/strukturieren, Inhalte zusammenführen, Tabellen/Modelle analysieren, Folienn aufbauen). Wichtig: Der Output bleibt nicht „nur Chat“, sondern wird als editierbarer Inhalt im jeweiligen File abgelegt (mit der App als primärem Editor). In Outlook kommen vergleichbare agentische Bausteine für E-Mail-Entwürfe, Thread-Zusammenfassungen und Kalender-/Meeting-Workflows dazu, jeweils im Kontext eurer Postfächer und Termine. 📅
Bis jetzt war dieses Feature bekannt als "Agent Mode". Dieser Agent Mode hat in diesem Sinne keinen neuen "Namen" sondern ist einfach ein integraler Teil des Copilot-Chats.

Meine Einschätzung 💬
Für mich ist das die Experience, die wir uns schon von Anfang an gewünscht hätten. In meinen Kundenprojekten habe ich immer wieder gesehen: Endanwendende sind „Chat gewohnt“ von ChatGPT, Gemini & Co. Die bisherigen Inline-Features (z.B. Narrative Builder, Textkreation-Buttons, kleine Symbole) waren vielen Usern zu unübersichtlich oder unverständlich. Das führte dazu, dass sie trotz Copilot in der App weiterhin im Chat gearbeitet haben, und dann von der Antwortqualität enttäuscht waren, weil die „Spezialisten“-Funktionen nicht genutzt wurden. 😅
Wichtiger Praxis-Hinweis ⚠️
Diese neue „Copilot-Bearbeitung“ öffnet sich im Standard, sobald ihr in der jeweiligen App auf das Copilot-Symbol klickt. Das klingt trivial, ist aber aus Enablement-Sicht riesig: Es senkt die Einstiegshürde und macht „den richtigen Weg“ zum Default. Aus meinen ersten Tests (insbesondere in Excel und Word) wirkt diese Chat-Experience auf mich deutlich konsistenter und liefert spürbar bessere Ergebnisse. ✅
Agent 365 & Microsoft 365 E7 Frontier Suite:
Governance als eigentlicher Gamechanger
Was ist neu? ✨
Microsoft koppelt „agentisches Arbeiten“ mit dem Agent 365 stärker an Security und Compliance und entkoppelt die Governance für Agenten aus der Microsoft 365 Copilot Lizenz. Mit Microsoft 365 E7 (Frontier Suite) entsteht ein neues, hochpreisiges Bundle ($99 pro User/Monat), das „Intelligence + Trust“ zusammen denkt und das Thema agentische KI als Enterprise-Standard etablieren will. 🛡️

Meine Einschätzung 💬
Im Grundsatz ist die E7-Lizenz eine gute Idee, aber primär für Konzerne, die bereits die volle Suite aus Entra ID, E5 und Microsoft 365 Copilot nutzen. Dort kann ein gebündeltes Angebot Sinn ergeben, weil die Grundarchitektur (Identität, Security, Compliance, DLP, etc.) ohnehin gesetzt ist und das Bundle in Summe günstiger als die einzelnen Add-Ons ist. 💰
Für KMUs und grössere Unternehmen, die eine klare Agent-First-Strategie fahren und viele Agents erstellen und nutzen (wollen), wirkt das neue Modell mit dem Ausschluss von Agent 365 aus den Microsoft 365 Copilot-Lizenzen wie ein wahrer Kostentreiber. Und zwar genau dort, wo der grösste Hebel liegt: Governance. Denn Governance „lebt“ in der Praxis nicht in den Prompts, sondern in Sichtbarkeit, Kontrolle, Richtlinien und Betrieb, also hauptsächlich in Agent 365. 💸
Ausserdem fehlen mir hier noch gewisse Klarstellungen zum Lizenzmodell:
Muss man wirklich für jeden User, der Agents nutzt, eine Agent 365 Lizenz erwerben?
Orientiert sich das Modell daran, dass einzelne Agents lizenziert werden müssen?
Geht es sogar in Richtung SharePoint Advanced Management, wo eine einzelne Lizenz für die gesamte Organisation ausreicht?
Aus meiner Sicht entscheiden genau diese Punkte, ob Agentic AI schnell in die Breite kommt, oder (vorerst) auf einige wenige, sehr grosse Umgebungen begrenzt bleibt. 🤔
Mein Fazit zur Wave 3:
Copilot, der wirklich arbeitet und nicht nur hilft
Wenn ich Wave 3 in einem Satz zusammenfasse: Microsoft verschiebt Copilot von „hilfreich“ zu „handlungsfähig“ und räumt gleichzeitig UX-Schulden ab, indem der Chat in den Apps zur zentralen Arbeitsfläche wird und umgekehrt. Für euch als Anwender heisst das: weniger Reibung, weniger Feature-Verstecken, mehr Ergebnis. Für IT & Security heisst es aber auch: Ohne sauberes Governance- und Compliance-Fundament wird der Rollout schnell politisch.
Mein Blick geht deshalb auf zwei Dinge: Wie gut Cowork im Frontier-Programm wirklich liefert und wie fair und praktikabel das Lizenz-/Governance-Modell für Agent-First-Organisationen wird. 🔍
